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Bürgergarden und -wehren in Württemberg und Hohenzollern nach 1945
Beim Einmarsch der Besatzungstruppen gelang es nicht überall die Dokumente, Uniformen, Ausrüstungsstücke und Waffen sicher zu verwahren, soweit diese den Krieg überstanden hatte. An einigen Orten waren die Gewehre der Bürgergarden noch für den Volkssturm vereinnahmt worden und in Verlust geraten. In den ersten Nachkriegsjahren ruhte das Vereinswesen weitgehend, an ein öffentliches Auftreten war nicht zu denken, Uniformen galten als "militaristisch" und waren streng verpönt. Die Genehmigung, die örtliche Bürgerwehr oder-garde als "Verein" weiterbestehen bzw. wiederaufleben zu lassen, hing vom Wohlwollen der lokalen Besatzungsbehörde ab. Ausnahmsweise wurde zur Teilnahme an kirchlichen Festen (z. B. Fronleichnam) eine Erlaubnis erteilt. Mit der zunehmenden Normalisierung der Verhältnisse und an Plätzen, in denen ein wohlwollender Militärgouverneur mit Kontakten zu Bürgerwehrangehörigen Entscheidungen traf, konnte an einen Neubeginn gedacht werden. Mitte Dezember 1948 fand in Ehingen ein Gespräch zwischen Hauptmann Franz Wieland, Mittelbiberach, und Oberleutnant Franz Scholl, Ehingen, statt. Beide waren der Ansicht, daß eine Zusammenkunft der noch bestehenden Wehren in der französischen Besatzungszone anzustreben sei, um zu beraten, wie ein Wiederaufbau im württembergischen Oberland möglich wäre.
Tatsächlich konnte Franz Scholl nach umfangreichen Vorarbeiten ein Treffen zustande bringen. Die erste "Tagung" der Bürgerwachen von Oberschwaben fand am 9. Februar 1949 im "Gasthaus zum grünen Baum" in Biberach a. d. Riß statt. Vertreten waren: Amtzell, Dietenheim, Ehingen, Laimnau, Mengen, Mittelbiberach, Niederwangen, Rottenburg, Saulgau und Waldburg. Die Kommandanten berichteten über die Situation ihrer Wehr, den Personal- und Ausrüstungsstand und waren sich trotz aller Schwierigkeiten darin einig, daß man sich verpflichtet fühle, die Garden und Wehren wieder aufzubauen und zu erhalten. "Jetzt in dieser Zeit eine Wehr zu halten, ist nicht leicht, in friedlichen Zeiten mitzumachen ist keine Kunst. Die alte Tradition muß bestehen bleiben" (Auszug aus dem Protokoll von Franz Scholl. 9. Februar 1949). Vereinbart wurde die Teilnahme der Wehren an der Feier des 350-jährigen Jubiläums der Bürgerwache Mittelbiberach.
Am 23. und 24. Juli 1949 konnte dieses Fest unter Beteiligung zahlreicher Garden und Wehren gefeiert werden, es war das "erste Landestreffen" nach dem 2. Weltkrieg. Am Sonntag, dem 24. Juli, fand nach dem Feldgottesdienst und einem Frühschoppen im Rathaus eine Versammlung der anwesenden Offiziere statt. Hier wurde einstimmig Oberleutnant Franz Scholl, Ehingen, zum "Landeskommandanten der Bürgerwehren und -garden für Südwürttemberg-Hohenzollern" gewählt.
Eine Kommandantentagung wurde für den 5. März 1950 in Saulgau einberufen, bei der auch über die Statuten des Landesverbandes beraten werden sollte. Auf dieser Tagung wurde Hauptmann Otto Leimer, Dietenheim, zum Stellvertreter des Landeskommandanten, Leutnant Hans Dannenmaier, Mittelbiberach, zum Adjutanten, Feldwebel Schurer, Ehingen, zum Schriftführer und Kassier gewählt. Nach dem aktuellen Stand gehörten zum Verband die Garden und Wehren von: Amtzell, Dietenheim, Ehingen, Laimnau, Mengen, Mittelbiberach, Niederwangen, Rottenburg, Saulgau (Bürgerwache und Stadtgarde zu Pferd) und Waldburg.
In der Folgezeit machte sich ein wiedererstehendes frisches Leben in den Wehren bemerkbar, das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander wuchs. Eine wichtige Rolle spielten die örtlichen Musikvereine und Stadtkapellen, die beim Aufbau von Spielmannszügen und Musikkorps mitwirkten oder geschlossen die Bürgerwehrkapellen bildeten.
In den amerikanisch besetzten Landesteilen war inzwischen das Auftreten in Uniform, in erster Linie bei kirchlichen Festen, auch wieder genehmigt worden. In Crailsheim traten 1949 beim Volksfestumzug erstmals vier Mann der Bürgerwache mit der aus den Wirren des Krieges und der fast völligen Zerstörung der Innenstadt im Frühjahr 1945 geretteten Fahne wieder uniformiert auf. Die Wieder- oder Neugründung von Bürgergarden und -wehren nahm zu. Meist waren es einige wenige, von Begeisterung und Idealismus getragene Männer, die dann bei ihren Gemeindeverwaltungen wohlwollende Unterstützung fanden. Zusammen mit den alten Kommandanten der Vorkriegszeit ist es den jüngeren Kameraden zu verdanken, wenn sich in den fünfziger Jahren eine durchgreifende Belebung der Garden und Wehren vollzogen hat.
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